l
l
l
l
l

Hoffentlich Beton
Laura Weissmüller, in Süddeutsche Zeitung/Kunstmarkt 13./14. Februar 2010

Elmar Haardt lebte ein Jahr lang in einem schweizerischen Dorf: Fotografien bei Jarmuschek + Partner in Berlin (mehr...)

 

Topografien der Durchfahrt
(2008/09)

Landschaften und Menschen sind die fotografischen Motive, die der Künstler Elmar Haardt (geb. 1974) an den unterschiedlichsten Orten aufnimmt und in seriellen Arbeiten zu subtilen Bestandsaufnahmen menschlichen Daseins verarbeitet. Haardt beschäftigt sich innerhalb seiner Fotografie mit Orten, die durch ihre wenig attraktive, aber außergewöhnliche geografische Lage besonders erscheinen.

Die großformatigen Bilder der Serie Topografien der Durchfahrt (2008/2009) sind ausnahmslos in der Schweizer Gotthard-Region aufgenommen – sowohl auf der Urner wie auf der Tessiner Seite des Bergmassivs. Die gesamte Gegend ist geprägt von einer Atmosphäre der Durchfahrt – hervorgerufen durch die Autobahn und den Gotthard-Straßentunnel, den jährlich mehr als 6 Millionen Fahrzeuge auf ihrem Weg durch die Schweizer Alpen durchfahren.

Die Fotografien thematisieren nicht nur den imposanten, verführerischen Anblick der Alpen, sondern spüren auch dem Gefühl der Enge und Verlorenheit in deren Tälern nach. Landschaft wird hier als Sinnbild menschlichen Befindens interpretiert. Innerhalb der subjektiven Gegenüberstellung von Portraits und Außenaufnahmen von Häusern und Strassen visualisiert Haardt den paradoxen Zustand des Verharrens an einem Ort, an dem jeder vorbeifährt. Die Menschen bleiben in der Enge eines Tals, das permanent von der Weite der Welt zeugt. Sie verharren in einer Region, die sich so schnell verändert hat, dass sie fremd geworden ist. Elmar Haardt arbeitet die Frage nach dieser latenten alltäglichen Zerrissenheit in seine Fotografien ein und schafft damit eine Bildrealität, deren subtile Spannung weit über das rein Dokumentarische hinausweist.

Ulrike Westphal

 

Angesichts der Lage
Ulrike Westphal, in Angesichts der Lage
(Austellungskatalog, Kehrer-Verlag 2008)

In den Fotografien der Serie Nord von Elmar Haardt spielt
der Mensch und dessen unmittelbares persönliches Umfeld
eine zentrale Rolle. Seine Porträts entstanden hauptsächlich
in den Privaträumen der Protagonisten und werden begleitet
von vereinzelten Außenaufnahmen. Über ein Jahr lang hat
der Fotograf den Kontakt zu verschiedenen Bewohnern in den
Essener Stadtteilen Katernberg und Stoppenberg gesucht und
langsam aufgebaut, um schließlich Zugang in die Wohnungen
der Menschen zu finden und sie auf ihrem Sofa, in ihrer
Küche oder ihrem Schlafzimmer zu fotografieren. Haardt ist
in ein Stoppenberger Hochhausviertel gezogen und hat dort in
direkter Nachbarschaft zu den porträtierten Personen gelebt.
(mehr...)

 

 

Oderland. Grenzland.
Ulrike Westphal, in Oderland (Künstlerbuch, 2006)

Die Oder ist ein Grenzfluss, der seine Anwohner seit Jahrhunderten eher voneinander trennt als verbindet. Auf 162 Kilometern markiert der Fluss die heutige Grenze zwischen Polen und Deutschland. Die Region Märkisch Oderland ist ein Randgebiet, ein Grenzland. Hier endet Deutschland, hier beginnt auf der anderen Seite der Oder etwas Neues.
(mehr...)

 

 

Schauzone
(2005)

In einer Großstadt scheint alles und jeder in Bewegung, Begegnungen sind flüchtig und unverbindlich. Menschen treffen aufeinander, kommen bewusst zusammen oder verweilen gezwungenermaßen gemeinsam an einem Ort. Die Kehrseite der prinzipiellen Offenheit einer Stadt wie Berlin ist die Anonymität im Sinne zwischenmenschlicher Entfremdung. Doch scheinbar unbeachtet wird sich innerhalb der anonymen Masse angeblickt oder ignoriert, füreinander angezogen und sich gegenseitig gezeigt.
(mehr...)